PLYMOUTH, Massachusetts — Im Strafprozess gegen Lindsay Clancy hat die Verteidigung am 3. September 2026 vor dem Plymouth Superior Court beantragt, einen einzelnen Juror aus dem Gremium zu entfernen. Auslöser war eine schriftliche Mitteilung der Jury an Richter William F. Sullivan, wonach ein Mitglied die richterlichen Anweisungen zur Beweiswürdigung und zum Maßstab des reasonable doubt nicht befolge. Der Richter ließ daraufhin die Geschworenen einzeln befragen und trug die rechtlichen Vorgaben zur Beweislast und zur Unschuldsvermutung erneut vor.
Verteidiger Kevin Reddington begründete den Antrag öffentlich mit der Note der Jury und sprach von einem Verhalten, das den Anweisungen des Gerichts zuwiderlaufe. Die Staatsanwaltschaft widersprach und verwies darauf, dass eine erneute, präzisierende Instruktion durch das Gericht der sachgerechte erste Schritt sei. Richter Sullivan beließ es zunächst bei der Wiederholung der Instruktionen; die Frage, ob der beanstandete Juror entlassen wird, blieb offen. Die Jury wurde ohne Urteil entlassen; die Beratungen sollen zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden.
Rechtlicher Rahmen: In Massachusetts darf ein Juror nur aus eng umgrenzten Gründen aus der Jury entfernt werden, etwa bei Befangenheit, bei Verstößen gegen den Geschworenen-Eid oder wenn unerlaubt Informationen von außen in die Beratungen eingeführt wurden. Ein hartnäckiges Festhalten an einer Überzeugung gilt nicht ohne Weiteres als Entlassungsgrund. Das Gericht hat abzuwägen, ob ein Ausschluss die Unabhängigkeit der Jury und das Recht auf ein faires Verfahren berührt. Üblich sind zunächst Nachfragen an einzelne Geschworene und die erneute, standardisierte Erläuterung der rechtlichen Maßstäbe, bevor weitergehende Schritte erwogen werden.
Mögliche Folgen: Sollte die Jury nicht zu Einstimmigkeit gelangen, droht ein Prozessabbruch als Fehlverfahren (Mistrial). In diesem Fall könnte die Anklage den Fall neu aufrollen; verfahrensökonomische und sachliche Erwägungen spielen dabei eine Rolle. Der Clancy-Prozess findet weit über Massachusetts hinaus Beachtung, weil neben der strafrechtlichen Würdigung auch Fragen der psychiatrischen Begutachtung, der Belastung junger Eltern und der Rolle medizinischer Expertisen im Strafverfahren verhandelt werden. Welche Schlüsse die Geschworenen aus den Gutachten und Zeugenaussagen ziehen, bleibt bis zur Wiederaufnahme der Beratungen offen.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).