NPR meldete am 4. September 2026, dass Einwanderungsgerichte in der Region Washington kurzfristig neue Anhörungsorte in Washington, D.C., und Falls Church, Virginia, nutzen. Nach Angaben von Verteidigerinnen und Verteidigern wurden Betroffene teils nur sehr knapp vor neuen Terminen über Verlegungen informiert. Für den 2. September seien Anhörungen in Falls Church tatsächlich durchgeführt worden; weitere Termine in Washington, D.C., seien kurzfristig angesetzt worden.
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte berichten, dass Ladungen mitunter verspätet per Post zugingen oder nur schwer nachvollziehbare Hinweise auf neue Orte enthielten. Vertreterinnen der American Immigration Lawyers Association schildern außerdem ein ungewöhnliches Verfahrenssetting: Die betroffenen Personen mussten persönlich erscheinen, während Richterinnen, Richter und Regierungsvertretungen per Videokonferenz zugeschaltet waren. Aus ihrer Sicht erhöhen kurzfristige Verlegungen und hybride Settings das Risiko von in absentia-Entscheidungen, also Urteilen gegen ausbleibende Personen, insbesondere wenn Zustellungen nicht rechtzeitig erfolgen oder kein Rechtsbeistand vorhanden ist.
NPR ordnet die Entwicklung in eine breitere organisatorische Umstellung ein. Demnach hat die Executive Office for Immigration Review (EOIR) in den vergangenen Monaten zusätzliche Kapazitäten aufgebaut und dafür neue Flächen gesucht. Die General Services Administration ist für die Anmietung zuständig; öffentliche Ausschreibungen belegen einen erhöhten Flächenbedarf der EOIR. Eine detaillierte amtliche Erklärung zu den konkret verlegten Anhörungen in Washington, D.C., und Falls Church lag bis Freitag nicht vor. Die EOIR teilte gegenüber Medien mit, dass mit dem Ausbau von Richterstellen auch Termin- und Standortanpassungen erforderlich seien, um Verfahren fristgerecht zu bearbeiten.
Parallel werden seit dem Sommer sogenannte mega master calendar-Serien berichtet, bei denen sehr viele Eingangstermine auf wenige Tage konzentriert werden. Auswertungen und Fachstimmen sehen damit einen Anstieg von in absentia-Entscheidungen verbunden. In Miami kam es Anfang September laut örtlicher Berichterstattung zu langen Schlangen und chaotischen Szenen vor dem Einwanderungsgericht, nachdem zahlreiche Menschen zu identischen Zeiten geladen worden waren.
Rechtlich stellt sich vor allem die Frage einer ordnungsgemäßen Zustellung und der effektiven Wahrnehmung des Rechts auf Rechtsbeistand. Während die Behörden auf Effizienz und Rückstände verweisen, warnen Interessenvertretungen vor einer Aushöhlung rechtsstaatlicher Mindeststandards, wenn kurzfristige Ortswechsel ohne verlässliche Information erfolgen. Ob die aktuell praktizierten Verlegungen in Washington, D.C., und Falls Church fortgesetzt oder auf weitere Regionen ausgedehnt werden, ist offen. Klar ist, dass jede Verschiebung ohne belastbare und rechtzeitige Ladung das Risiko fehlerhafter Abwesenheitsurteile erhöht.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).