Das Hubble-Weltraumteleskop hat ein bislang nicht beobachtetes, regelmäßiges Zehneck rund um den Südpol des Planeten Saturn dokumentiert. Die NASA stellte die Ergebnisse am 2. September 2026 vor; sie basieren auf Hubble-Datenreihen, die bis 2023 zurückreichen, und sind in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht. Es ist das erste Mal, dass in Saturns Südhemisphäre ein großskaliges, vieleckiges Strömungsmuster nachgewiesen wurde.
Nach Angaben des Forschungsteams um Agustín Sánchez-Lavega von der University of the Basque Country und der Mitautorin Amy Simon vom Goddard Space Flight Center der NASA tauchten erste Hinweise 2024 in erdgebundenen Aufnahmen auf. Hubble-Beobachtungen lieferten anschließend die entscheidende Bestätigung und zeichnen seit 2023 die Herausbildung eines deutlich konturierten Zehnecks nach. Besonders scharfe Ansichten aus dem Jahr 2025 zeigen, dass sich die Struktur über mehrere atmosphärische Schichten erstreckt und in verschiedenen Wellenlängen konsistent erscheint. Damit handelt es sich nicht nur um ein Muster in der Wolkenoberfläche, sondern um eine vertikal ausgedehnte Wellenerscheinung innerhalb eines polaren Jetstreams.
Das neue Zehneck erinnert an das seit mehr als 40 Jahren dokumentierte Hexagon am Nordpol, unterscheidet sich davon aber in wesentlichen Punkten. Während das nördliche Hexagon als bemerkenswert langlebig und stabil gilt, erscheint das südliche Muster dynamischer und weniger stationär. Die Forschenden berichten über Unterschiede in Driftgeschwindigkeit und Kantenschärfe. Nach derzeitigem Kenntnisstand könnte das südliche Zehneck zwischen 2017 und 2023 entstanden sein, als Saturns Südpol aus der Erdsicht zeitweise ungünstig stand und die Entwicklung nur eingeschränkt verfolgt werden konnte. Daten der Cassini-Sonde, die Saturn von 2004 bis 2017 umkreiste, zeigen keinen Hinweis auf eine damals bereits ausgebildete Formation.
Wissenschaftlich bedeutsam ist der Fund, weil er nahelegt, dass polygonale Wellenstrukturen unter geeigneten Randbedingungen in beiden Hemisphären auftreten können. Solche Muster liefern Einsichten in die Dynamik der Jetstreams, die Kopplung zwischen verschiedenen Höhen der Atmosphäre und mögliche Rossby-Wellenmechanismen. Die Autorenschaft betont, dass Erklärungsmodelle noch geprüft werden müssen. Aussagen über die Dauerhaftigkeit des südlichen Zehnecks und die genauen Antriebskräfte gelten als vorläufig.
Hubbles Langzeitprogramm OPAL-Programm, das die äußeren Planeten jährlich systematisch abbildet, war zentral für die Entdeckung. Mit der fortschreitenden saisonalen Beleuchtung Saturns rückt der Südpol wieder günstiger ins Blickfeld. Weitere hochauflösende Sequenzen sollen klären, ob sich das Zehneck verfestigt, verändert oder wieder verschwindet – und damit helfen, die Physik hinter Saturns polaren Wellenstrukturen besser zu verstehen.
Redakteur: Andreas M. Brucker (Artikel mit KI-Unterstützung).