In Plymouth, Massachusetts, hat die Jury im Mordprozess gegen Lindsay Clancy am 1. September 2026 dem Superior Court mitgeteilt, sie sei in den Beratungen festgefahren und könne keine einstimmige Entscheidung erreichen. Das Gericht ordnete daraufhin an, die Beratungen fortzusetzen und die Hinweise des Gerichts zu berücksichtigen. Eine Entlassung der Jury wegen Hängung ist damit vorerst nicht erfolgt.
Im Mittelpunkt des Verfahrens steht die strafrechtliche Verantwortlichkeit von Lindsay Clancy, der vorgeworfen wird, im Januar 2023 ihre drei Kinder getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft strebt Schuldsprüche wegen vorsätzlichen Mordes in drei Fällen an. Die Verteidigung stellt dem die Einlassung entgegen, Clancy sei zum Tatzeitpunkt infolge einer schweren psychischen Erkrankung unzurechnungsfähig gewesen. Damit ist für die Jury zu entscheiden, ob die gesetzlichen Voraussetzungen in Massachusetts für eine Schuldunfähigkeit erfüllt sind oder ob eine Verurteilung wegen Mordes zu erfolgen hat.
Der jetzige Verfahrensstand folgt auf eine wochenlange Beweisaufnahme. Prozessbeteiligte verwiesen auf umfangreiche medizinisch-psychiatrische Befunde und widersprechende Gutachten zur Frage, ob Clancy das Unrecht ihres Handelns erkennen oder ihr Verhalten dem Gesetz anpassen konnte. Die Jury berät seit mehreren Tagen. Angaben aus dem Gerichtsumfeld deuten auf bereits viele Stunden Beratung hin; eine förmliche Einigung blieb bislang aus.
Richterliche Anweisungen an eine zunächst uneinige Jury sind in den Vereinigten Staaten üblich. Gerichte können Geschworene ausdrücklich auffordern, ihre Standpunkte erneut zu prüfen, ohne dabei einzelne Jurorinnen oder Juroren zu drängen, ihre Überzeugung gegen ihr Gewissen aufzugeben. Erst wenn absehbar ist, dass auch eine fortgesetzte Beratung keine Einstimmigkeit herstellt, kann das Gericht eine Hängung feststellen. In diesem Fall bliebe der Anklage grundsätzlich die Möglichkeit, den Fall neu zu verhandeln. Ein etwaiger Freispruch wegen Unzurechnungsfähigkeit würde in Massachusetts in der Regel zu einer weiteren Unterbringung in einer geeigneten psychiatrischen Einrichtung führen und bedeutete nicht automatisch eine Entlassung.
Der Fall hat über den Gerichtssaal hinaus eine breitere Debatte berührt: In Massachusetts und darüber hinaus wird über die Versorgung nach einer Geburt, die psychiatrische Behandlung in akuten Krisen und das Spannungsverhältnis zwischen medizinischer Einschätzung und strafrechtlicher Verantwortlichkeit diskutiert. Wie das Verfahren konkret weitergeht, hängt nun vom Fortgang der Beratungen im Superior Court und gegebenenfalls weiteren gerichtlichen Anordnungen ab.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).