Im Mordprozess gegen Lindsay Clancy vor dem Plymouth Superior Court in Massachusetts hat die Staatsanwaltschaft am 17. August 2026 ihre Beweisaufnahme geschlossen. Seither benennt die Verteidigung eigene Sachverständige und Zeugen. Im Zentrum steht die Frage, ob eine postpartale Psychose die strafrechtliche Verantwortlichkeit der Angeklagten zum Tatzeitpunkt ausschloss oder minderte.
Die Tathintergründe sind unstrittig: Am 24. Januar 2023 wurden in Duxbury drei Kinder tot aufgefunden. Lindsay Clancy bestreitet die Tathandlungen nicht; strittig ist, ob sie im juristischen Sinne schuldfähig war. Der Prozess begann Ende Juli 2026 mit Jury-Auswahl und Eröffnungsplädoyers.
Die Staatsanwaltschaft legt der Angeklagten vorsätzliches, geplantes Handeln zur Last. Sie stützte sich auf Beweismittel wie Aussagen von Ersthelfern, medizinische Dokumentation und Kommunikationsdaten. Vor der Zäsur am 17. August hörte die Jury unter anderem Notrufaufzeichnungen und Aussagen aus dem familiären Umfeld; auch der Vater der Kinder sagte aus. Zudem besichtigten die Geschworenen das Wohnhaus in Duxbury, um sich ein Bild von Räumen und Abläufen zu machen. Ziel der Anklage ist es, der Jury ein konsistentes Bild von Planung und Tatablauf zu vermitteln, das keine Zweifel an der vollen strafrechtlichen Verantwortlichkeit zulässt.
Die Verteidigung stellt dem eine medizinische Argumentation entgegen: Clancy habe nach der Geburt unter schweren postpartalen Symptomen mit wahnhaften Anteilen gelitten und das Unrecht ihrer Handlungen nicht erkannt. Fachärztliche Einschätzungen zur Diagnose und zum Verlauf solcher Erkrankungen, zu Behandlungen vor der Tat – einschließlich einer kurz zuvor erfolgten stationären psychiatrischen Aufnahme – sowie zur Beurteilung von Einsichts- und Steuerungsfähigkeit bilden den Kern der Gegenbeweise. Ein von der Anklage geladener Psychologe trat der Annahme einer vollständigen Schuldunfähigkeit entgegen und bescheinigte der Angeklagten strafrechtliche Verantwortlichkeit; dem hält die Verteidigung mit eigenen Gutachten entgegen.
Richter William Sullivan traf im Verlauf der Verhandlung mehrere prozessuale Anordnungen zum Umgang mit sensiblen Beweismitteln und zur Struktur der Beweisaufnahme. Dazu gehörte die kontrollierte Vorlage besonders belastender Unterlagen wie Obduktionsfotos an die Geschworenen. Die öffentliche Debatte konzentriert sich parallel auf die fachliche Einordnung postpartaler Erkrankungen und auf die Frage, wie Gerichte seltene, aber gravierende psychische Störungen rechtlich bewerten sollten. Über den Ausgang des Verfahrens entscheidet letztlich die Jury nach den rechtlichen Instruktionen des Gerichts. Möglich sind sowohl Schuldsprüche mit langjährigen Freiheitsstrafen als auch ein Freispruch wegen mangelnder Zurechnungsfähigkeit, der in Massachusetts zu einer Unterbringung in einer staatlichen psychiatrischen Einrichtung führen kann. Ein Urteil lag zum Redaktionsschluss nicht vor.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).