Die US-Raumfahrtbehörde NASA hat am 29. Oktober 2026 die neue Ausgabe ihrer Übersicht „In‑Space Servicing, Assembly and Manufacturing (ISAM) State of Play“ veröffentlicht. Das 368 Seiten starke Dokument vom Langley Research Center beschreibt den aktuellen Stand der Technik für Wartung, Montage und Fertigung im Orbit und versteht sich als Nachschlagewerk und Orientierung für Missionsteams, Behörden und Unternehmen.
Zentral ist eine strenge Aufnahmebedingung: Berücksichtigt wird nur Hardware, die physisch existiert – als Bodenprototyp oder als nachgewiesene Demonstration im Flug. Konzeptdarstellungen ohne greifbare Umsetzung werden erst in künftigen Ausgaben geprüft. Diese Abgrenzung soll verhindern, dass unverbindliche Ideen mit erprobten Lösungen gleichgesetzt werden. Die Einträge sind elf Funktionsbereichen zugeordnet, darunter robotische Manipulation, Betankung, relative Navigation und strukturelle Montage.
Nach Angaben der NASA begann das Projekt als gemeinsamer Referenzrahmen zwischen Zentren und hat sich zu einem Industriestandard entwickelt. Unternehmen würden aktiv um Aufnahme und Einsicht bitten, heißt es sinngemäß aus dem Team. Dale Arney, leitender Verantwortlicher für das ISAM‑Technologieportfolio am Langley Research Center, betont den Wert der Unparteilichkeit. Teammitglied John Mulvaney verweist auf den kollaborativen Ansatz mit jährlich zunehmenden Beiträgen aus Industrie und Forschung.
Die praktische Relevanz ist erheblich: ISAM‑Fähigkeiten ermöglichen Missionen jenseits klassischer Einzellaunch‑Architekturen – etwa Weltraumteleskope mit größerer Optik als die Nutzlastverkleidung aktueller Träger, modular aufrüstbare Satelliten sowie langlebige Infrastruktur im Erdorbit und in Mondnähe. Für Missionsdesigner bietet die Übersicht einen gemeinsamen Vokabular‑ und Fähigkeitsstand, der Schnittstellen, Architekturen und Beschaffungen vergleichbarer macht.
Neben technischen Kurzprofilen enthält die 2026er Ausgabe Angaben zu Entwicklerteams und Einrichtungen. Beiträge stammen aus mehreren NASA‑Zentren, darunter das Ames Research Center, das Glenn Research Center, das Marshall Space Flight Center, das Kennedy Space Center und das Johnson Space Center, sowie von internationalen Akteuren, sofern die Hardwarekriterien erfüllt sind. Die Redaktion weist darauf hin, dass es sich nicht um eine Zukunftsprognose oder einen Geschäftsplan handelt, sondern um eine Bestandsaufnahme dessen, was heute existiert und in nächster Zeit einsatzfähig wird.
Die NASA ruft Fachkreise zur Rückmeldung auf, um Vollständigkeit und Genauigkeit weiter zu erhöhen. Die Übersicht wird jährlich fortgeschrieben und ist über die NASA‑Website abrufbar. Für die Raumfahrtbranche schafft sie Transparenz, erleichtert Kooperationen und liefert Behörden eine belastbare Grundlage für Regulierung und Zertifizierung.
Redakteur: Andreas M. Brucker (Artikel mit KI-Unterstützung).