Washington: Die National Aeronautics and Space Administration (NASA) hat am 9. Oktober 2026 die finale Request for Proposals für kommerzielle Stationen in der niedrigen Erdumlaufbahn veröffentlicht. Unternehmen können bis zum 8. Dezember 2026 Angebote einreichen; Vertragsvergaben werden für das Frühjahr 2027 erwartet. Die Ausschreibung markiert den nächsten Schritt der Behörde, nach dem Ende der Betriebszeit der Internationalen Raumstation ISS eine dauerhafte US-Präsenz im Orbit über privat betriebene Ziele sicherzustellen.
Die NASA fordert Konzepte, die Design, Bau, Test, Zertifizierung und Betrieb kommerzieller orbitale Ziele abdecken und sowohl den Bedarf der Behörde als auch weitere Märkte bedienen. Gefordert sind Ende-zu-Ende-Lösungen in der niedrigen Erdumlaufbahn – einschließlich Destination und Transport – für Anwendungen der bemannten Raumfahrt, Forschung und Technologieentwicklung.
Der nun vorgelegten Ausschreibung gingen in diesem Jahr zwei öffentliche Informationsabfragen im März, ein Entwurf der Vergabeunterlagen im Juli sowie ein Branchentag mit Einzelgesprächen voraus. Vergabeseitig plant die NASA festpreisige Mehrfachrahmenverträge (multi-award, indefinite-delivery/indefinite-quantity) mit nachgelagerten wettbewerblichen Aufträgen für finale Auslegung, Tests, Evaluation, Zertifizierung und Dienstleistungen. So kann die Behörde zwei oder mehr Anbieter durch frühe Entwicklungsphasen führen und in späteren Schritten gezielt Leistungen abrufen.
Hintergrund ist die schrittweise Verlagerung von staatlicher Infrastruktur hin zu kommerziell betriebenen „Commercial Low Earth Orbit Destinations“. Seit 2021 hat die NASA hierfür über Space Act Agreements mehrere Industrieansätze gefördert. Zugleich hatten Prüfer des Government Accountability Office in Berichten wiederholt betont, dass technische Reife, Finanzierung und Zeitpläne die Zahl realistisch tragfähiger Anbieter begrenzen können. Die neue Ausschreibung adressiert diese Risiken, indem sie klare Meilensteine, Zertifizierungspfade und Wettbewerb über mehrere Anbieter hinweg vorsieht.
Einordnung und Folgen: Für die NASA steht die Sicherung einer kontinuierlichen Forschungs- und Ausbildungsumgebung im Orbit im Vordergrund, während Ressourcen stärker auf Missionen jenseits der Erdumlaufbahn konzentriert werden. Für die Industrie eröffnet sich die Chance, zusätzliche Kunden und Märkte – von Mikrogravitätsforschung bis zur Herstellung im All – zu entwickeln. Entscheidend werden in den kommenden Monaten belastbare Geschäftspläne, technische Nachweise und ein glaubwürdiger Zeitpfad bis zur Zertifizierung für bemannte Einsätze sein. Die Fristen der Ausschreibung schaffen hierfür einen engen, aber klar definierten Rahmen.
Redakteur: Andreas M. Brucker (Artikel mit KI-Unterstützung).