Eine neue Auswertung von National Public Radio und der Boston University, veröffentlicht am 2. September 2026, kommt zu dem Ergebnis, dass in den Vereinigten Staaten die Zahl der Hitzetoten erheblich unterschätzt wird. Die Analyse verknüpft Sterberegister mit lokalen Temperaturreihen und modelliert die temperaturbedingte Übersterblichkeit, um den Anteil der Hitze an Todesfällen genauer zu erfassen.
Kernbefund: Viele Todesfälle, bei denen extreme Temperaturen wesentlich mitwirken – etwa bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfällen oder dem akuten Versagen chronisch belasteter Organe –, tauchen auf Sterbeurkunden nicht als hitzebedingt auf. Damit fallen sie aus der amtlichen Zählung. Die Recherchen illustrieren dies am Fall von Adam Willson in Arizona. Er starb im Juni 2024 in einem überhitzten Haus; seine Sterbeurkunde vermerkte „natürliche Ursachen“, ohne die Hitze zu nennen. Solche Befunde stützen frühere Hinweise aus Publikationen der Centers for Disease Control and Prevention (CDC), dass Hitzefolgen in den Kodierungen häufig unvollständig abgebildet sind.
Die Lücke hat unmittelbare Konsequenzen. Offizielle Zahlen der CDC informieren Gesundheitsämter, Kliniken und Städte über Präventionsbedarfe, etwa beim Betrieb von Kühlzentren, bei Warnketten oder dem Schutz von im Freien Arbeitenden. Werden Hitzetote systematisch zu niedrig gezählt, riskieren Behörden eine Fehlverteilung von Ressourcen und unzureichenden Schutz besonders gefährdeter Gruppen: ältere Menschen, Personen mit Vorerkrankungen, alleinlebende Menschen sowie Beschäftigte in Bau, Landwirtschaft und Lieferdiensten.
Die beteiligten Forschenden empfehlen, die ärztliche und forensische Dokumentation anzupassen. Ärztinnen, Ärzte und Gerichtsmediziner sollten Umweltbedingungen wie außergewöhnliche Hitze als mitursächliche Faktoren konsequent vermerken, wenn klinische Befunde und Umstände dies nahelegen. Ergänzend regen sie an, in der amtlichen Statistik neben explizit als „hitzebedingt“ kodierten Fällen standardisierte Schätzungen der temperaturbezogenen Übersterblichkeit zu berichten. So ließe sich der Beitrag von Hitze zu Todesfällen transparenter beziffern.
Offen ist, wie schnell nationale und lokale Stellen diese Vorschläge aufgreifen. Teilstaaten und Kommunen haben in den vergangenen Jahren ihre Hitzewarnsysteme erweitert, doch die Vergleichbarkeit der Daten bleibt begrenzt. Solange die Kodierpraxis heterogen ist, werden langfristige Bewertungen auf kombinierten Analysen von Sterberegistern, klinischen Informationen und klimatologischen Daten beruhen müssen. Die nun vorgelegte Auswertung liefert dafür einen aktuellen Anlass und präzisiert, wo die amtliche Erfassung nachjustiert werden sollte, um das tatsächliche Ausmaß von Hitzetote in den Vereinigten Staaten belastbar abzubilden.
Redakteurin: Clara Simonichek (Artikel mit KI-Unterstützung).