Die US-Regierung hat die Annullierung von 315.000 Policen in den Krankenversicherungsbörsen nach dem Affordable Care Act bestätigt. Nach Angaben der Centers for Medicare & Medicaid Services vom 22. September 2026 betraf die Maßnahme insgesamt 760.000 Personen, deren Einträge nach Prüfungen als unautorisiert eingestuft wurden. Das Weißes Haus führt die Fälle auf betrügerische oder nicht verifizierte Anmeldungen zurück.
Vizepräsident J. D. Vance sagte, die Streichungen und Rückforderungen von Zuschüssen würden den Bundeshaushalt um etwa 2,2 Milliarden US-Dollar entlasten. Die Regierung spricht von einem Schwerpunkt auf Betrugsbekämpfung und verweist auf verschärfte Kontrollen von Vermittlern und Brokern. CMS kündigte ergänzend neue Regeln an, die das Hinzufügen von Vermittlern zu Anträgen einschränken und die Nachweisführung zu Identität, Staatsbürgerschaft, Einwanderungsstatus und Sozialversicherungsnummer präzisieren sollen.
Nach Regierungsangaben werden zusätzlich mehrere hunderttausend weitere Datensätze erneut überprüft. Dabei geht es insbesondere um Unstimmigkeiten bei Identitätsangaben und um Fälle, in denen Verbraucherinnen und Verbraucher ohne ihr Wissen durch Dritte angemeldet worden sein sollen. Die Behörde betonte, Betroffene würden informiert und erhielten Fristen zur Stellungnahme oder Nachreichung von Unterlagen.
Der Umfang der Streichungen ist angesichts der Größe des Marktes bedeutsam. Anfang 2026 waren rund 19,2 Millionen Menschen in Marketplace-Tarifen eingeschrieben. Fachleute begrüßen strengere Kontrollen gegen Missbrauch, warnen aber vor unbeabsichtigten Folgen. Entscheidend sei, wie sauber Einzelfälle geprüft würden und wie sichergestellt werde, dass rechtmäßig Versicherte nicht zwischenzeitlich ohne Deckung bleiben. Verbraucherschützer verweisen auf das Risiko von Leistungslücken und zusätzlichen Verwaltungsaufwand für Versicherte und Anbieter, wenn Einsprüche bearbeitet und Policen gegebenenfalls wiederhergestellt werden müssen.
Die Regierung stellt den Schritt als notwendige Korrektur dar. Kritiker halten dagegen, dass weitreichende Kollektivmaßnahmen fehleranfällig sind und soziale Folgekosten nach sich ziehen können, etwa wenn chronisch Kranke vorübergehend ohne Kostendeckung bleiben. Wie hoch der Anteil tatsächlich betrügerischer Anmeldungen im Verhältnis zu formalen Abweichungen ist, bleibt vorerst eine offene Frage; hierzu legte die Regierung keine belastbaren Detailzahlen vor.
Die gemeldeten Zahlen und Maßnahmen beziehen sich explizit auf die bundesweit betriebenen Marktplätze. Weitere Änderungen in den Einzelstaaten könnten folgen, sofern deren Aufsichten eigene Prüfungen abschließen und mit den Bundesregeln in Einklang bringen. Der politische Streit über Ausmaß, Methode und Folgen der Betrugsbekämpfung in Obamacare dürfte damit erneut an Schärfe gewinnen.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).