Eine neue Studie des Great Cities Institute der University of Illinois Chicago, veröffentlicht am 26. August 2026, kommt zu dem Schluss, dass Chicagos Einsatz von Tax Increment Financing (TIF) über Jahrzehnte erhebliche Anteile des Zuwachses an Grundsteuereinnahmen gebunden hat, ohne die ärmsten Viertel verlässlich zu beleben. Die Autorinnen und Autoren sehen systematische Schwächen bei der Auswahl von Projekten, der Messung von Ergebnissen und der Rechenschaft gegenüber betroffenen Gemeinden.
Faktenbasis der Studie sind städtische Haushalts-, Steuer- und Beschäftigungsdaten, die Entwicklungen innerhalb und außerhalb von TIF-Gebieten vergleichen. Kernbefund: Ein beträchtlicher Teil der in TIF-Distrikten abgeschöpften Steuermehreinnahmen floss in wirtschaftlich stärkere Lagen oder großvolumige Vorhaben in zentralen Korridoren, während benachteiligte Quartiere seltener eine nachhaltige Aufwertung von Investitionen und Arbeitsplätzen verzeichneten. Damit habe das Instrument in Chicago bestehende Ungleichheiten eher verstetigt als abgebaut.
Finanziell sind die Dimensionen erheblich. Bereits für das Haushaltsjahr 2020 wurde in Chicago berichtet, dass TIF-Fonds mehr als eine Milliarde Dollar an Grundsteuerzuflüssen vereinnahmten. Diese Einnahmen wären ohne TIF anteilig an andere Gebietskörperschaften, darunter die Chicago Public Schools, geflossen. Die Studie betont, dass solche Umleitungen eine klare Zielsteuerung und strenge Wirksamkeitskontrollen erfordern, um Nebenwirkungen für Schulen und Grundversorgung zu begrenzen.
Befürworter des Instruments verweisen auf sichtbare Projekte – etwa Sanierungen und einzelne Neubauten –, die ohne TIF kaum zustande gekommen wären. Kritiker halten dem entgegen, dass ein belastbarer Nachweis zusätzlicher, kausal durch TIF ausgelöster Entwicklung zu selten gelingt und dass die Auswahl der Bezirke zu häufig wirtschaftlich bereits gefragte Areale begünstigt.
Das Great Cities Institute empfiehlt der Stadt Chicago strengere Förderbedarfsprüfungen vor der Ausweisung weiterer TIF-Gebiete, präzise Zielgrößen für Beschäftigung und Wertschöpfung, regelmäßige Evaluierungen sowie Schutzmechanismen, damit Mittelüberschüsse zeitnah in prioritäre öffentliche Aufgaben zurückgeführt werden. Im Rathaus dauern Debatten über Reformen an; in den vergangenen Jahren wurden wiederholt Überschüsse aus TIF-Fonds freigegeben, um Haushaltslücken zu schließen oder Bildungsausgaben zu stützen.
Der Befund ist für Chicago und Illinois politisch relevant: Auf Ebene der Stadt und im Cook County beeinflusst die Ausgestaltung von TIF nicht nur Investitionspfade, sondern auch die Verteilung von Steuerlasten. Unter Bürgermeister Brandon Johnson dürfte die Frage, für welche Zwecke und in welchen Lagen TIF künftig eingesetzt wird, erneut an Gewicht gewinnen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).