Die Bezirksstaatsanwaltschaft Keelung hat am 24. August 2026 neun Personen wegen mutmaßlich illegaler Ausfuhr von Hochleistungs-KI-Servern nach Festlandchina angeklagt. Unter den Beschuldigten sind nach Behördenangaben Beschäftigte der Taiwan-Niederlassungen von Nvidia und Super Micro Computer sowie mehrere Händler und Dienstleister.
Den Ermittlern zufolge wurden bei Servern von Super Micro Computer mit Nvidia-Grafikprozessoren Endverwendungs- und Standortangaben verfälscht, um Herstellerprüfungen und US-Exportkontrollen zu unterlaufen. In den Akten ist von Scheinmietverträgen für Rechenzentren, verschleierten Zahlungsströmen über Zwischenhändler und der Nutzung dritter Länder als Transitstationen die Rede. Vorgelegt wurden demnach auch Anträge mit unzutreffenden Angaben, um Beschaffungsprozesse bei Herstellern zu erleichtern. Solche Endverbleibsnachweise und Herstellerzertifizierungen sind regulär Voraussetzung, damit Distributoren und Integratoren Zugang zu Hochleistungshardware erhalten.
Die Ermittlungen begannen nach Angaben der Staatsanwaltschaft im Frühjahr 2026, als bei einer Ausfuhrprüfung Unstimmigkeiten auffielen. Seither seien bei mehreren Durchsuchungen Serverbestände, Verträge und digitale Unterlagen sichergestellt worden. Medienberichte nennen rund 70 betroffene Systeme; ein Teil der Hardware wurde bereits beschlagnahmt. Zu einzelnen Namen machten die Behörden bislang nur begrenzte Angaben. Die Anklagepunkte umfassen Betrug und Urkundenfälschung; es gilt die Unschuldsvermutung. Die nun erhobenen Anklagen richten sich gegen Einzelpersonen; zu etwaigen aufsichtsrechtlichen Verfahren gegen die Unternehmen liegen öffentlich keine neuen Angaben vor.
Der Fall fällt in eine Phase verschärfter Technologiepolitik zwischen Washington und Peking. Das US-Handelsministerium und sein Bureau of Industry and Security haben seit 2022 Exportkontrollen für fortgeschrittene Chips und KI-Hardware erweitert. Die Regeln sehen für Festlandchina in weiten Teilen Lizenzpflichten vor; Hersteller und deren Partner prüfen deshalb Endnutzer, Standorte und technische Spezifikationen genauer. Taiwan als zentraler Fertigungs- und Logistikstandort steht dabei besonders im Fokus: Die Verknüpfung taiwanischer Lieferketten mit US-Zulieferern bindet lokale Händler und Integratoren faktisch an US-Compliance-Vorgaben.
Operativ verschiebt der Fall die Anforderungen entlang der Kette: Audits, Dokumentationspflichten und Prüfprozesse gewinnen an Gewicht – bei Distributoren ebenso wie bei Rechenzentrumsbetreibern. Für Geschäfte mit Kunden in Festlandchina erhöhen sich die rechtlichen und operativen Risiken. Sollte das Gericht die Vorwürfe bestätigen, wären schärfere interne Kontrollen bei Beschaffung, Logistik und Zahlungsabwicklung wahrscheinlich, um Herstellerprüfungen und US-Exportkontrollen nachweisbar einzuhalten.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).