Politik

USA–Kanada-Verhandlungen gescheitert: Washington erhebt 50‑Prozent‑Zölle, Ottawa kündigt Vergeltung an

Nach dem Abbruch der Gespräche über ein Handelsabkommen hat die US-Regierung seit 22. August Zölle von 50 Prozent auf bestimmte kanadische Einfuhren verhängt. Kanada kündigte umgehend „dollar‑for‑dollar“-Gegenmaßnahmen an.

Die Handelsgespräche zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada sind am Wochenende vor dem 25. August gescheitert. Seit 22. August gelten in den USA Zölle von 50 Prozent auf ausgewählte kanadische Produkte. Grundlage ist eine am 19. August 2026 veröffentlichte Präsidialproklamation des Präsidenten Donald Trump, mit der sich die US-Regierung auf Section 338 des Tariff Act von 1930 beruft. Ziel ist es laut Weißem Haus, auf als diskriminierend eingestufte kanadische Maßnahmen zu reagieren.

Die Anordnung sieht pauschale Zusatzabgaben auf definierte Warengruppen vor, darunter nach US-Darstellung alkoholische Getränke, Milchprodukte und bestimmte Kraftfahrzeuge. Section 338 erlaubt Zuschläge bis zu 50 Prozent, wenn die USA Handelsdiskriminierung feststellen. Der Umfang der betroffenen Einfuhren ist gemessen am bilateralen Handelsvolumen begrenzt, betrifft aber politisch sichtbare Branchen mit starker regionaler Verankerung.

Ottawa reagierte noch am 22. August: Premierminister Mark Carney erklärte die Verhandlungen für gescheitert und kündigte „dollar‑for‑dollar“-Vergeltungszölle sowie Unterstützungsprogramme für in Kanada betroffene Unternehmen an. Global Affairs Canada teilte mit, die Regierung bereite kurzfristig Gegenmaßnahmen vor und arbeite an einer Stabilisierung der Binnenmärkte.

Beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld am Abbruch. Aus Washington heißt es, Kanada habe zuletzt zentrale Punkte nicht ausreichend aufgegriffen. Kanadische Regierungsvertreter wiederum sprechen von US-Forderungen in letzter Minute, die über das bisher Verhandelte hinausgingen, insbesondere bei Marktzugang und Schutzklauseln für strategische Sektoren wie Landwirtschaft und Automobil.

Ökonomisch rechnen Fachleute kurzfristig mit Preis- und Lieferketteneffekten in den betroffenen Nischen, verweisen aber auf die Größe des nordamerikanischen Marktes und Substitutionsmöglichkeiten. Mittel- bis langfristige Auswirkungen hängen davon ab, ob beide Regierungen ihre Maßnahmen ausweiten oder zu Sektorkompromissen zurückkehren. Unternehmensverbände auf beiden Seiten der Grenze dringen auf Planungssicherheit und warnen vor Investitionszurückhaltung.

Politisch markiert der Schritt eine deutliche Verschärfung in einem traditionell eng integrierten Verhältnis. In den Vereinigten Staaten wird die Maßnahme als Durchsetzung von Fairness im Handel dargestellt. In Kanada warnt die Regierung vor einer Eskalationsspirale und betont die Bereitschaft, Gespräche unter veränderten Bedingungen wiederaufzunehmen. Konkrete Listen kanadischer Gegenzölle werden in Ottawa vorbereitet und können kurzfristig veröffentlicht werden.

Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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