Ein neuer Debattenbeitrag in den USA belebt die Frage, ob Iran eines Tages strategischer Partner Washingtons werden könnte. Maßgeblich für eine nüchterne Einschätzung sind drei Ebenen: historische Brüche, die Strukturpolitik der Islamischen Republik und die aktuellen sicherheitspolitischen Interessen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten.
Historisch markiert der 19. August 1953 einen Wendepunkt: Die Ablösung des Premierministers Mohammad Mossadegh, die in freigegebenen Beständen des US-Außenministeriums dokumentiert ist, belastet das Vertrauensverhältnis bis heute. 1979 folgten die Erstürmung der US-Botschaft in Teheran und die Geiselkrise; seither bestehen keine regulären diplomatischen Beziehungen. Diese Zäsuren prägen iranische und US-amerikanische Wahrnehmungen und begrenzen politische Spielräume auf beiden Seiten.
In der Gegenwart bestimmen drei Konfliktfelder die Beziehung. Erstens das iranische Atomprogramm und die umstrittene Zukunft des 2015 geschlossenen Atomabkommens (JCPOA), aus dem die USA 2018 ausgetreten sind. Zweitens regionales Machtprojektion durch die Islamische Revolutionsgarde und verbündete Netzwerke in Irak, Syrien, Libanon und Jemen. Drittens das US-Sanktionsregime, das in Gesetzgebung und Aufsicht durch Repräsentantenhaus und Senat verankert ist und die exekutiven Handlungsspielräume der Regierung in Washington, D.C., strukturiert.
Vor diesem Hintergrund wären für eine belastbare Annäherung drei Bedingungen erforderlich: erstens überprüfbare Veränderungen in Teheran, die eine verlässliche Außenpolitik ermöglichen; zweitens belastbare Zusicherungen zur Nichtverbreitung und zur Deeskalation regionaler Operationen; drittens ein innenpolitischer Konsens in den USA, der Sanktionen, Kontrollmechanismen und schrittweise Normalisierung koordiniert. Vergangene Episoden taktischer Kooperation – etwa in begrenzten sicherheitspolitischen Lagen – zeigen, dass punktuelle Übereinkünfte möglich sind; eine strategische Partnerschaft würde jedoch systemische Anpassungen auf beiden Seiten voraussetzen.
Zu unterscheiden sind Tatsachen und Prognosen: Die genannten historischen Daten und institutionellen Rahmenbedingungen sind belegt. Zuschreibungen über künftige Absichten beruhen auf politischen Signalen in Teheran und Washington und können sich rasch ändern. Prognosen über eine Allianz bleiben unsicher und hängen von konkreten Entwicklungen im iranischen Machtgefüge, von Entscheidungen der US-Regierung und vom Verhalten regionaler Akteure ab. Realistisch ist ein Pfad gradueller Entspannung – vorausgesetzt, Verifikationsregime greifen, Eskalationsdynamiken werden begrenzt und innenpolitische Mehrheiten in den USA tragfähig organisiert.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).