Nach den aktuellsten Regierungsprognosen bleiben die gesetzlichen Social-Security-Leistungen in den Vereinigten Staaten auf absehbare Zeit in voller Höhe zahlbar. Der jährliche Bericht der Treuhänder der Social Security Administration sowie jüngste Einschätzungen des Congressional Budget Office gehen davon aus, dass die Auszahlungen solange vollständig erfolgen, wie die Rücklagen der Trustfonds reichen und der Gesetzesrahmen unverändert bleibt.
Kern der Warnungen ist der Old-Age and Survivors Insurance (OASI) Trust Fund. Die Treuhänder erwarten seine Erschöpfung in den frühen 2030er Jahren; bei kombinierter Betrachtung mit dem Invaliditätsfonds wird häufig ein Zeitpunkt in der Mitte der 2030er Jahre genannt. Danach dürften nach geltendem Recht nur noch laufende Beitragseinnahmen ausgezahlt werden. Das würde automatisch zu anteiligen Kürzungen der tatsächlich gezahlten („payable“) gegenüber den im Gesetz vorgesehenen („scheduled“) Leistungen führen. Das CBO beziffert die anschließende Zahlungsfähigkeit in mittleren Szenarien auf etwa drei Viertel der geplanten Leistungen, solange der Kongress keine Reform beschließt.
Für Einzelne hängen Anspruch und Höhe der Rente weiterhin vor allem von Lebensarbeitszeit und beitragspflichtigem Verdienst, vom Antragszeitpunkt und von Ehe- oder Hinterbliebenenrechten ab. Der früheste Rentenbeginn ist mit 62 Jahren möglich, allerdings mit dauerhaften Abschlägen. Die Full Retirement Age liegt für Geburtsjahrgänge 1960 und jünger bei 67 Jahren. Wer den Bezug über dieses Alter hinaus aufschiebt, erhält sogenannte Delayed Retirement Credits, die die monatliche Zahlung erhöhen. Diese Regeln gelten unabhängig von der Finanzlage der Trustfonds, solange der Gesetzgeber sie nicht ändert.
Politisch ist der Weg aus der Finanzierungslücke bekannt, aber umstritten. In Frage kommen unter anderem höhere Beitragssätze, eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze, geänderte Anpassungsformeln, eine spätere Anspruchsgrenze oder Kombinationen daraus. Welche Mischung gewählt wird und wie Übergänge sozial abgefedert werden, ist eine Entscheidung des Kongresses. Prognosen einzelner Expertinnen und Experten über Umfang und Verteilung künftiger Kürzungen bleiben ohne gesetzlichen Beschluss unverbindlich.
Für Beziehende und künftige Anspruchsberechtigte gilt damit zweierlei: Kurzfristig sind die vollen Leistungen gesichert. Längerfristig hängt die Vermeidung automatischer Kürzungen von rechtzeitigen Reformen ab. Die amtlichen Berichte legen die Annahmen, Unsicherheiten und Alternativszenarien offen; sie werden regelmäßig aktualisiert und bilden die Grundlage der haushalts- und sozialpolitischen Debatte im Kongress.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).