Nachweislich geprägt wurde die Bezeichnung „Me Decade“ durch Tom Wolfe in dem Essay „The ‘Me’ Decade and the Third Great Awakening“, das am 23. August 1976 in New York Magazine erschien. Wolfe fasste damit eine damals verbreitete Kritik zusammen: Die 1970er-Jahre galten in Teilen der Debatte als Epoche verstärkter Ich-Orientierung und Selbstsuche. Diese historische Verortung ist dokumentiert und mehrfach in Sekundärliteratur und Magazinarchiven bestätigt (23. August 1976). ([en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/The_%22Me%22_Decade_and_the_Third_Great_Awakening?utm_source=openai))
Die Frage, ob sich daraus eine langfristige, messbare „Epidemie“ des Narzissmus in der amerikanischen Bevölkerung ableiten lässt, bleibt Gegenstand aktueller Forschung und ist nicht durch einen einfachen Trend zu beschreiben. Größere, peer‑reviewte Meta‑Analysen und Querschnittsstudien zeigen ein komplexes Bild: Einige Arbeiten dokumentieren Anstiege in Messwerten des Narcissistic Personality Inventory (NPI) in bestimmten Zeitfenstern bis in die 2000er Jahre hinein, andere Analysen berichten von Stagnation oder sogar Rückgängen nach der Finanzkrise von 2008. Für die Jahre bis mindestens 2016 konnten Forschende keine einheitliche, ungebrochene Zunahme nachweisen; neuere Meta‑Analysen diskutieren heterogene Befunde und methodische Limitationen. ([sciencedirect.com](https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0191886921003226?utm_source=openai))
Die Forschungslage erfordert Differenzierungen: Messinstrumente (beispielsweise verschiedene Versionen des NPI), Stichproben (Studentenproben versus Bevölkerungsstichproben), ethnische Zusammensetzung der Proben und sozioökonomische Kontexte beeinflussen Befunde erheblich. Einige Autorinnen und Autoren sehen daher eher zyklische Veränderungen, in denen ökonomische Krisen, kulturelle Umbrüche und mediale Entwicklungen kurzfristig Selbstbezogenheit verstärken oder dämpfen. Andere betonen, dass kulturelle Debatten—etwa über Social Media, Influencer‑Kultur oder Individualisierung—öffentliche Wahrnehmungen von Narzissmus schärfen, ohne zwingend einen gleichförmigen Anstieg in psychometrischen Indikatoren zu bedeuten. ([journals.sagepub.com](https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1367877907080148?utm_source=openai))
Die historische Zuschreibung der 1970er‑Jahre als „Me Decade“ ist belegt (23. August 1976). Die Behauptung eines fortschreitenden, nationalen Narzissmus‑Anstiegs ist durch die aktuelle empirische Literatur nicht einheitlich gedeckt; statt eines linearen Trends liegen differenzierte, teils widersprüchliche Befunde vor. Klare Aussagen erfordern weitere, langfristig angelegte, bevölkerungsrepräsentative Studien mit vergleichbaren Messinstrumenten und transparenter Berücksichtigung soziodemographischer Variablen.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).